Die Werksangabe sagt 2,5 Sekunden. Die Messung sagt 2,2. Und das nicht einmal, sondern bei jedem einzelnen Versuch – nachdem der Fahrcoach den Wagen schon zehnmal warmgeschossen hatte und wir ihn weitere achtzehnmal in die Launch Control zwangen. Kein Aussetzer, keine Pause, keine messbare Verlangsamung. Bei rund 2,8 Tonnen erwartet man das nicht. Willkommen beim Cayenne Turbo Electric, dem ersten vollelektrischen Cayenne – und dem stärksten Serien-Porsche, den es je gab.
Porsche Schweiz hatte zum Swiss Media Drive geladen: Grenchen, Lignières, ein Tag, vier Cayenne in Reihe. Eines vorweg, ehrlich wie immer: Wir waren nie allein im Auto, und Porsche hat alles getan, damit der Wagen gut dasteht. Das hier ist kein Wochentest, sondern ein Tag unter Idealbedingungen – aber einer, der einiges verrät.


Launch Control, 28 Mal
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Die Beschleunigung ist brachial, anders lässt sich das nicht sagen. Bis zu 1156 PS treffen auf vier angetriebene Räder, und der Körper wird in den Sitz gedrückt, als hätte jemand die Schwerkraft um neunzig Grad gedreht. Das Bemerkenswerte ist nicht der Wert an sich, sondern die Wiederholbarkeit: Wo andere Elektroautos nach dem dritten Sprint in den Schongang wechseln, liefert der Cayenne beim achtundzwanzigsten dieselbe Zeit wie beim ersten.

Bremsen? Fast nie.
Zurück auf die Landstrasse. Der Cayenne rekuperiert mit bis zu 600 Kilowatt – so viel, dass man das Bremspedal fast nie braucht. Das Auto verzögert über die E-Maschinen, und zwar so stark, dass die Felgen nach einem ganzen Tag noch sauber sind. Wer trotzdem bremst, findet ein Pedal, das sich fein dosieren lässt – keine Selbstverständlichkeit bei Elektroautos, die zwischen Rekuperation und Reibbremse überblenden.
Und dann das Cockpit. Das Curved Display, das sich mit einem Knick nach unten biegt, ist der Hingucker des Innenraums. Die Verarbeitung ist Porsche-typisch auf höchstem Niveau, und die gekühlten Sitze waren am heissen Junitag mehr als willkommen. Was uns so noch nirgends begegnet ist: die aktive Aerodynamik mit Elementen, die je nach Tempo aus der Karosserie fahren.


Ein Detail, das im Alltag mehr zählt als jeder Sprint: Alle Schweizer Fahrzeuge lassen sich mit kabellosem Laden bestellen oder nachrüsten. Der Cayenne parkiert über der Bodenplatte, und der Akku füllt sich ohne einen Stecker in der Hand – als erstes Serienauto auf dem Markt.
Weinreben, Wasser, Anhänger
Die Fahrt zum Mittagessen zeigt, wofür der Cayenne gebaut ist: Auf der kurvigen Landstrasse ist er so wendig, dass man sich auf jede Kurve freut, ohne sich einen Sportwagen zu wünschen. Danach die entspannte Fahrt durch die Weinberge hoch über dem Bielersee – fast drei Tonnen, die sich anfühlen wie die Hälfte.


Nach dem Essen wurde es ernst: Schräglage, Wasserdurchfahrt, steil hoch, steil runter, Achsverschränkung. Der Cayenne hat das alles grossartig gemeistert – und trotzdem fühlt man sich mit so einem schönen Auto und der sportlichen Felgen-Reifen-Kombination im Gelände etwas fehl am Platz. Ein Hinweis für alle, die es ausprobieren wollen: Im Offroad-Modus mit maximal angehobenem Fahrwerk nicht zu schnell werden, sonst senkt sich der Wagen zum Selbstschutz automatisch wieder ab.
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Am Nachmittag dann die Aufgabe, die keiner von uns je gemacht hatte: mit Anhänger durch einen Handling-Parcours und rückwärts einparkieren. Niemand hatte einen Anhängerausweis, kaum jemand Erfahrung – und trotzdem stand der Anhänger nach ein paar Tipps des Fahrcoachs sauber im Feld. Was man bei einem Anhänger nicht erwarten würde: Es hat allen Spass gemacht.

Drei Dinge, die uns weniger überzeugt haben
Der Gangwahlhebel war nicht für alle gleich intuitiv – wie meistens gewöhnt man sich schnell daran, aber es fällt auf. Die Navigation wusste, dass wir eine Strasse nicht befahren dürfen, und wollte trotzdem, dass wir durchfahren. Und das eigene Display für den Beifahrer: technisch schick, praktisch fraglich. Die meisten sitzen lieber am eigenen Handy, wo ihr ganzes Leben stattfindet, als vor einem Bildschirm mit begrenzter App-Auswahl.


Zeiger drücken bei Porsche Design
Der Tag begann nicht im Auto, sondern in der Manufaktur von Porsche Design Timepieces. Konfigurierbare Uhren, ein Rundgang, bei dem jede Frage mit Enthusiasmus beantwortet wurde – und der Moment, in dem wir selbst Zeiger auf ein Uhrwerk drücken durften. Dass der Sprung von dieser Feinmechanik zur brachialen Beschleunigung und weiter zu Wasserdurchfahrten an einem einzigen Tag passt, sagt viel über die Marke.

«Die 2,5 Sekunden Werksangabe wurden bei jedem Versuch geschlagen – bei rund 2,8 Tonnen erwartet man das nicht.»
Alexander van BedafFazit
Der Cayenne Turbo Electric ist ein Auto der Gegensätze, und genau das macht ihn aus: Der Sprung von brachialer Beschleunigung zu Offroad-Künsten mit tiefen Wasserdurchfahrten ist beeindruckend – und dazwischen liegt ein Reisewagen, der Kurven mag, kabellos lädt und seine Felgen sauber hält. Was bleibt, ist der Wunsch nach einem Wochentest ohne Beifahrer von Porsche. Bis dahin: 2,2 Sekunden. Gemessen, nicht versprochen.
- Leistung
- bis 1156 PS
- 0–100 km/h
- 2,5 s – gemessen 2,2 s
- Rekuperation
- bis 600 kW
- Batterie
- 113 kWh
- Laden
- bis 400 kW
- Reichweite
- bis 623 km (WLTP)
